Presseberichte


Für sechs Euro vier Tore beim Reblaus-Derby

Wolfgang Winheim, Kurier. 5.3.2018

Ein Samstag fernab vom Bundesliga-Fußball: In Gratkorn bei Graz dürfen "nur" 1000 Menschen anlässlich der Partie GAK vs. Austria Salzburg (4:1) ein Spektakel veranstalten, weil die Behörde aus Sicherheitsgründen nicht mehr Fans zuließ. In Wien-Nußdorf wird das Reblaus-Derby zwischen NAC und Vienna mit zehnminütiger Verspätung angepfiffen, weil die Leut’ vor der Kasse in der Grinzingerstraße 111 noch Schlange stehen.

Der Unterschied: In der Steiermark handelt es sich um ein freundschaftliches Nostalgietreff zweier Landesligisten, deren Frühjahrsmeisterschaft noch nicht begonnen hat. Im Wiener Heurigenviertel wartet auf Österreichs ältesten Verein, auf den First Vienna Football-Club, der erste Punktekampf im sportlichen Niemandsland.

Wie etliche Traditionsklubs zuvor war die Vienna in den Konkurs geschlittert, trotz Regionalliga-Platz eins im Sommer 2017 an der Rückkehr in die Bundesliga gehindert und zum Jahreswechsel in die zweite Wiener Landesliga (= fünfthöchste Leistungsstufe) strafversetzt worden. Was auch nur möglich war, weil die "Erste" der Vienna ab sofort den Platz der Vienna-Zweiermannschaft einnehmen darf.

In Anbetracht eines 21- Punkte-Rückstandes auf Tabellenführer WAF Brigittenau dürfte die Vienna den Aufstieg in die Wiener Stadtliga kaum schaffen, obwohl ihr – unter Regie des Ex-Rapidlers Markus Katzer – auf dem Nußdorfer Kunstrasen ein paar Kunststückerln plus ein 4:0-Sieg gelingt.

Ungeachtet der tristen Ausgangslage versammelten sich Vienna-Fans auf der Hohen Warte, um nach einem Grillfest gemeinsam nach Nußdorf zum ersten Derby seit 50 Jahren zu marschieren. Das letzte hatte 1968 in der zweithöchsten Spielklasse mit einem 4:3 für Vienna gegen nur neun NAC-Recken geendet. Als fast 4000 Leute rund um ein schiefes Nußdorfer Morastfeld (Niveauunterschied von Tor zu Tor 1,7 Meter) drängten; als der spätere Swatch-Generaldirektor Rudolf Semrad wegen einer Spuckattacke (die dieser noch heute bestreitet) an Vienna-Starstürmer Horst Nemec ausgeschlossen wurde; und als nach einem derben Derby massiver Funkstreifen-Einsatz notwendig war.

Diesmal forderte der einstige Mitkämpfer und nunmehrigen NAC-Obmann Alfred Grill keinen einzigen Polizisten an. "Weil die heutigen Vienna-Anhänger alle friedlich sind.", sagt Grill, ehe ihm an der Kasse die Sechs-Euro-Karten ausgehen.

Die Einnahmen vom Reblaus-Derby mit rund 500 Zuschauern werden in den Nachwuchs investiert. Laufen doch nicht weniger als 250 Jugendliche, unter ihnen Promi-Kinder genauso wie solche mit Migrationshintergrund, im Nobelbezirk mit NAC-Trikots dem Ball hinterher. Gelebte Integration steht beim Zehnten der fünften Leistungsstufe an erster Stelle.

Anmerkungen von Alfred Grill:
Schöner Beitrag mit kleinem Schönheitsfehler. Bin nicht Obmann des NAC, sondern mein Freund Ing. Walter Augustin, und das schon seit einigen Jahren.
Übrigens ist W. Winheim auch ein ehemaliger NACler.


Fußball-Derby: David gegen Goliath

Wiener Bezirkszeitung

Grinzinger Straße 111 - Am Samstag, 3. März, steigt das große Döblinger Derby im Fußball.
Um 15 Uhr trifft Außenseiter Nußdorfer AC auf heimischer Anlage auf Regionalliga-Absteiger First Vienna FC. Eintritt für Erwachsene ist 6 Euro, für Pensionisten 4 Euro. Jugendliche bis 18 Jahre sind frei. Mehr Infos unter www.nac1907.at.

Ein Fußmarsch

Chr. Pollak, Kronen Zeitung, 5.3.2018

... als Einstimmung der Vienna-Fans auf die 2. Landesliga
Ivanschitz-Neffe als Gegner

Mit einem Fußmarsch von der Hohen Warte zum NAC-Platz stimmten sich die Vienna-Fans auf den Auftakt in der zweiten Landesliga ein. Gemäß dem Schlachtgesang "Everywhere We Follow" (wir folgen euch überallhin). Nach dem Zwangsabstieg
in die fünfte Liga war der Weg innerhalb Döblings überschaubar. Mit zehn Minuten Verspätung wurde das Derby angepfiffen. Das für vier NAC-Spieler mit Vergangenheit im Vienna-Nachwuchs speziellen Wert hatte. So für Dominik Hofer, einen
"Bernd Dallos der Neuzeit". Technisch begabt, aber mit einigen Kilos zu viel auf den Rippen. "Ich hab leider nachgelassen, als es wichtig war!" Sein Onkel ist Ex-Rapidler Andi Ivanschitz ...
Wie zu erwarten, stand beim Auftritt der Startruppe mit "Mecki" Katzer an der Spitze nur die Höhe des Vienna-Siegs (4:0) infrage. Für 405 Fans wurde gar ein eigener Derby-Burger kredenzt.